Was heute wie eine in der Zeit stehen gebliebene Landschaft wirkt, war einst eine strategische Siedlung. Die Ruinen der Burg und die Überreste einer Kirche trotzen der Zeit – als letzte Echos einer alten mittelalterlichen Festung.
Doch welche Geschichte verbirgt dieser Ort in der Provinz Saragossa, in dem heute niemand mehr lebt? Wie kann sich seine Burg noch immer zwischen den Felsen halten? Was ist von der romanischen Kapelle geblieben? Um das herauszufinden, muss man nach oben blicken.
SIBIRANA, DAS DORF IN ARAGÓN, VON DEM NUR EINE BURG UND EINE KIRCHE GEBLIEBEN SIND
Auf dem Gipfel eines felsigen Grats gelegen, rund 12 Kilometer von Luesia entfernt, spielte Sibirana – auch Sibrana oder Siverana genannt – im Mittelalter eine wichtige Rolle bei der Überwachung des Gebiets. Einige Experten identifizieren den Ort mit dem „Castrum Silbanianus“, das bereits in mittelalterlichen Schriften als Verteidigungsbollwerk erwähnt wird.
Im 9. Jahrhundert fiel der Ort in die Hände der Banu Qasi, wurde jedoch bald von Sancho Garcés I. zurückerobert und in die Verteidigung des Königreichs Pamplona eingegliedert. Ab dem 12. Jahrhundert begann sein Niedergang, doch bis heute sind Überreste erhalten, die von seiner militärischen und religiösen Vergangenheit erzählen.
Heute ist der Ortskern fast vollständig verschwunden. Erhalten ist lediglich die romanische Kirche Santa Quiteria. Das alles liegt zwischen Feldwegen, Buschland und einem Horizont, der sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat.
BURG VON SIBIRANA: EIN WÄCHTER AUS STEIN ÜBER DEM ABGRUND
Die Burg wurde mit eindeutig defensiver Absicht errichtet und erhebt sich auf einem schmalen Felsen, der kaum 25 Meter lang und 4 Meter breit ist. Von dort aus beherrschte sie den alten Weg, der Luesia mit Lobera de Onsella verband. Ihr romanischer Grundriss ist noch erkennbar: zwei rechteckige Türme, die durch Mauern verbunden sind, welche dem Verlauf des Felsgrats folgen.
Zwischen den beiden Türmen sind Fragmente von Mauern und eine in den Felsen gehauene Zisterne erhalten. Weiter unten, neben dem Pfad, lassen sich die Ruinen ehemaliger Wohnhäuser erahnen. Die Anlage wurde 2006 zum Kulturgut von kulturellem Interesse erklärt und ist Teil des Kulturerbeinventars von Aragón, bleibt jedoch außerhalb des touristischen Rampenlichts.
DIE KAPELLE SANTA QUITERIA: ROMANIK IN RUINEN
In unmittelbarer Nähe der Burg, auf demselben Gipfel, befinden sich auch die Überreste der romanischen Kapelle Santa Quiteria. Obwohl sie im Laufe der Zeit beschädigt wurde, sind architektonische Elemente erhalten, die ihren ursprünglichen Glanz erahnen lassen: ein einschiffiger Bau, ein Presbyterium und eine halbrunde Apsis aus sorgfältig behauenen Quadern.
Besonders bemerkenswert ist das Südportal. Dort ist ein Rundbogen mit Zierleisten erhalten, ebenso wie die Säulen mit ihren fast unversehrten Kapitellen. Am Eingang ist noch die Inschrift „MCX“ zu erkennen, die vermutlich aus dem Jahr 1110 stammt. Obwohl die Gewölbe verschwunden sind, lässt ein kleines Fenster in der Ostmauer das gedämpfte Licht erahnen, das einst dieses religiöse Gebäude erhellte.
ANREISE NACH SIBIRANA
Die Anreise ist nicht einfach, gehört aber zum besonderen Reiz des Ortes. Von Luesia aus nimmt man die Straße nach Uncastillo bis zum Brunnen Pígalo, wo ein Abzweig den Weg weist. Eine gut befahrbare Forstpiste führt bis in die Nähe des Ortes.
Alternativ kann man von Petilla de Aragón aus eine Wanderroute wählen, die Teil eines Fernwanderwegs ist, der mehrere historische Orte miteinander verbindet. Welche Route man auch nimmt, das Ziel ist dasselbe: ein einsamer Gipfel, auf dem die Zeit stehen geblieben ist und auf dem Burg und Kirche als stumme Zeugen einer vergessenen Geschichte fortbestehen.